glück

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glück

tritt ein

glück

bleib

du sollst

mein

zuhause sein

bis du

weiter wanderst

hinaus in die nacht

erinner ich deinen glanz

und erwarte

deine rückkehr

glück um glück

 

Die Rosen waren nie so rot …

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Die roten Rosen waren nie so rot
Als an dem Abend, der umregnet war.
Ich dachte lange an dein sanftes Haar …
Die roten Rosen waren nie so rot.

Es dunkelten die Büsche nie so grün
Als an dem Abend in der Regenzeit.
Ich dachte lange an dein weiches Kleid …
Es dunkelten die Büsche nie so grün.

Die Birkenstämme standen nie so weiß
Als an dem Abend, der mit Regen sank;
Und deine Hände sah ich schön und schlank …
Die Birkenstämme standen nie so weiß.

Die Wasser spiegelten ein schwarzes Land
An jenem Abend, den ich regnen fand;
So hab ich mich in deinem Aug erkannt …
Die Wasser spiegelten ein schwarzes Land.

Rainer Maria Rilke

 

Mein Meer

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Seit ich lebendig sein will

träum ich mich ins Meer.

Andächtig und wild

möcht ich mich vermeeren

möchte die Wellen und dunklen

Herzschläge hören

im Klang der Ozeane.

Es meert in mir.

Es meert in mir ganz wild.

Hannelore Elsner

 

Seit ich lebendig bin träum auch ich mich ins Meer. Wandere  unermüdlich dem Meer entgegen. Meerwasser in meinen Adern, statt Blut. Halt mir die Ohren zu, ich kann dich dennoch hören. Halt mir die Augen zu ich kann dich trotzdem sehen. Selbst ohne Beine kann ich zu dir gehen, steh staunend am Spülsaum und lausche deinen Wellen. Vernehme deine klagenden Klänge und triumphierenden Gesänge. Wild wellendes Meer, mal gefräßige Flut, mal nachtstille See. Du, mit deinem sich wandelnden Gesicht, deinem ewigen Raunen, deiner einzigartigen Magie. Du Meer,  bist größer, als alle Kathedralen. Du Meer, an dich möchte ich mich verschwenden! 

Meine Seele hat’s eilig

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Meine Seele hat’s eilig

Ich habe meine Jahre gezählt und festgestellt, dass ich weniger Zeit habe, zu leben, als ich bisher gelebt habe.

Ich fühle mich wie dieses Kind, das eine Schachtel Bonbons gewonnen hat: die ersten essen sie mit Vergnügen, aber als es merkt, dass nur noch wenige übrig waren, begann es, sie wirklich zu genießen.

Ich habe keine Zeit für endlose Konferenzen, bei denen die Statuten, Regeln, Verfahren und internen Vorschriften besprochen werden, in dem Wissen, dass nichts erreicht wird.

Ich habe keine Zeit mehr, absurde Menschen zu ertragen , die ungeachtet ihres Alters nicht gewachsen sind.

Ich habe keine Zeit mehr, mit Mittelmäßigkeiten zu kämpfen. Ich will nicht in Besprechungen sein, in denen aufgeblasene Egos aufmarschieren.

Ich vertrage keine Manipulierer und Opportunisten. Mich stören die Neider, die versuchen, Fähigere in Verruf zu bringen, um sich ihrer Positionen, Talente und Erfolge zu bemächtigen.

Meine Zeit ist zu kurz um Überschriften zu diskutieren. Ich will das Wesentliche, denn meine Seele ist in Eile. Ohne viele Süssigkeiten in der Packung.

Ich möchte mit Menschen leben, die sehr menschlich sind. Menschen, die über ihre Fehler lachen können, die sich nichts auf ihre Erfolge einbilden. Die sich nicht vorzeitig berufen fühlen und die nicht vor ihrer Verantwortung fliehen. Die die menschliche Würde verteidigen und die nur an der Seite der Wahrheit und Rechtschaffenheit gehen möchten. Es ist das, was das Leben lebenswert macht.

Ich möchte mich mit Menschen umgeben, die es verstehen, die Herzen anderer zu berühren. Menschen, die durch die harten Schläge des Lebens lernten, durch sanfte Berührungen der Seele zu wachsen.

Ja, ich habe es eilig, ich habe es eilig, mit der Intensität zu leben, die nur die Reife geben kann.

Ich versuche, keine der Süßigkeiten, die mir noch bleiben, zu verschwenden. Ich bin mir sicher, dass sie köstlicher sein werden, als die, die ich bereits gegessen habe.

Mein Ziel ist es, das Ende zufrieden zu erreichen, in Frieden mit mir, meinen Lieben und meinem Gewissen.

Wir haben zwei Leben und das zweite beginnt, wenn du erkennst, dass du nur eines hast.

(Verboten, es zu behalten)

Gedicht von Mario de Andrade (San Paolo 1893-1945)

WinterSonnWendNacht

 

Version 2

21. Dezember. 

Wintersonnenwende. Wunderweiße Vollmondnacht. Zeichen des Wandels.  Dunkelheit weicht, das Licht erobert sich Raum. 

Das Jahr geht. Menschen bleiben. Menschen, die mir zur Seite standen in den dunkelsten Stunden. Die mir Heimat gaben. Schutz gewährten. Gefährten durch gefahrvolle Gezeiten.

Engel. Schutzengel.

Danke. 

Ein Meer an Wünschen brandet in der WinterSonnenWendNacht.   Schneeflocken flüstern von Wundern. Von einer wundervollen Wende. 

Die Sonne steht still. Weiße Winternacht breitet ihre nebeldichten Flügel aus. Raunacht, geheimnisvoll, lautlos und von einer stillen Dauer wie keine andere.

Zeit für eine Rückschau in den geheimnisvollen Raunächten. Zeit der Rückschau  und Vorbereitung auf das neue Jahr. Zeit der Besinnung, Zwischenzeit. Brücke zwischen den Jahren, der Vergangenheit und Zukunft. Brücke zwischen Diesseits und Jenseits.

Der letzte Schnee

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Arno Camenisch beschreibt in seinem Roman „Der letzte Schnee“ ein langes Warten. Das Warten in den Bündner Bergen auf Schnee. Tag um Tag. Vergebens. Am Ende verschwindet das Tal im Nebel, das Dorf unter einem Schleier, selbst die Sprache schmilzt. Und … die Zeit bleibt stehen. Das Lied der Kindheit, welches das Knirschen des Schnees unter den Schuhen war, bleibt Erinnerung.

Das Lied der Kindheit … bleibt es nicht immer ein wehmütiges Suchen? Bleibt es nicht ein Warten? Ein Erwarten, dass diese Zeit noch einmal auflebt, das Damals zum Heute wird? Die Melodie wieder hörbar wird, wenigstens für eine kleine Weile?

Der letzte Schnee ist geschmolzen. Das Lied er Kindheit verklungen. 

Stille.

Eine Stille aus der heute Neues entsteht. Ton um Ton. Dreiklang. Drei Töne bilden die Komposition des Jetzt. Reduktion auf das Wesentliche. Klar. Alles Unwesentliche fällt ab. Vollkommenheit gelingt in der Klarheit. 

ZeitReise

 

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Bild: Paula Modersohn-Becker, Liegende Mutter mit Kind II

 

Aus meiner tiefsten Seele zieht 

Mit Nasenflügelbeben 

Ein ungeheurer Appetit 

Nach Frühstück und nach Leben.

J.Ringelnatz

Nach jenem Ort eines früheren Lebens, wo die Zeiten unsagbar glücklich gewesen. Zeiten, von einem unwiederbringlichen Duft. Und Zeiten, die duften, vergisst man nie. So unsagbar reich und überschwänglich, dass selbst die Erinnerung noch schwindelig macht. Aufbruch in das Tal am Fluss. Erstes Innehalten an einem Ort der Stille. Einer der Kathedralen, in denen das Tempo des Lebens für eine Weile angehalten wird.  Auszeit mitten im Großstadttrubel. Auch heute ein Ort des Atemholens, um die Sinne zu schärfen für den Weg in eine besondere Wahrnehmung. Wahrnehmung des Gestern. Erinnern der Momente, die das Leben bereicherten, immer wieder, immer während.

Und irgendwann andächtig sitzend vor den  wunderbaren Gemälden der Malerin Paula Modersohn-Becker, die sich nach Paris aufmachte, um das Handwerk des Malens zu erlernen. Techniken, Farben, Formen. Mutig, aufrichtig, neugierig. Jene, die malte und lebte nach dem Motto „Niemals halbherzig“. Halbherzige Kunst ist keine Kunst. Malerei ist Leidenschaft, ansonsten wird sie beliebig. Fad. Paula starb mit 31 Jahren kurz nach der Geburt ihres ersten Kindes und ihr letztes Wort war „schade“.

„Schade“ soll nicht das Wort am Ende eines Lebens sein und wird sofort verdrängt im Anblick eines der schönsten Villenviertel der Stadt. Jugendstilvillen, Häuser, die Geschichten erzählen. Auch meine Geschichte. Das Erkerzimmer liegt durchsonnt, der ausladende Balkon erzählt von vielen Festen. Der Park lädt zum Verweilen ein, die Sonne glitzert durch das bunte Laub. Jedes Blatt, das fällt, flüstert von Erinnerung. Auf der alten knorrigen Bank haben wir ein Leben lang gesessen, so kommt es mir heute vor … Ein Leben lang Seite an Seite, nah und doch so fern.

Und dieser Tag schenkt mir das Gedicht Rilkes, das er für Paula schrieb:

Die roten Rosen waren nie so rot
Als an dem Abend, der umregnet war.
Ich dachte lange an dein sanftes Haar …
Die roten Rosen waren nie so rot.

Es dunkelten die Büsche nie so grün

Als an dem Abend in der Regenzeit.

Ich dachte lange an dein weiches Kleid …

Es dunkelten die Büsche nie so grün.

Die Birkenstämme standen nie so weiß

Als an dem Abend, der mit Regen sank;

Und deine Hände sah ich schön und schlank …

Die Birkenstämme standen nie so weiß.

Die Wasser spiegelten ein schwarzes Land

An jenem Abend, den ich regnen fand;

So hab ich mich in deinem Aug erkannt …

Die Wasser spiegelten ein schwarzes Land.

Himmel auf Erden

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Ausblick. Durch hohe alte Fenster auf das verlassene Gemäuer. Still steht es in der Dämmerung. Kein Lichtschein dringt nach außen, kein Laut, kein Leben. Lichthäuschen auf meiner Fensterbank erhellen den Blick hinüber. Eines groß das andere klein. Buchstaben leuchten auf weißem Porzellan:

Himmel auf Erden“

ist heute mein Gefühl von Heimat. Von Frieden.

Hier an diesem Ort, in diesem Raum.

Geschenkte Zeit. Auszeit. Einem wunderbaren ZeitRaum an Stunden, Monaten, einem ganzen Jahr, den ich kaum zu betreten wage, aus Sorge, er könne vergehen. 

Herr, der Sommer war groß, lege eine Weile die Uhren still,  damit ich sie genießen kann, die leisen Töne, leisen Freundschaften, leisen Menschen.

Herbstzeit, wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr. Doch wohl dem, der ein Zuhause hat, das den Stürmen trotzt. Blätter fallen, fallen wie von weit. Als wären in den Himmeln ferne Gärten. Vor meinem Fenster wirbeln die Letzten zu Boden. Bereiten einen bunten Teppich, Blatt für Blatt ein …

Himmel auf Erden. 

Ankommen

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Dieser Abend, wenn du weißt, dass dein Weg der Richtige war. Dein Zur Seite Treten, Abbiegen, einen anderen Kurs ansteuern. Die Spur wechseln, auf die du zurückkehren wirst. In Zukunft, wenn die Zeit reif. Heute hältst du die Zeit an, nimmst eine Auszeit auf einer Insel. Ruheinsel. Atem holen, während das Meer um dich herum brandet, sich überschlägt, Menschen mitreißt und untergehen lässt. Blind werden lässt im Sog, der Gut und Böse vermengt, nicht mehr trennt. Im Kampf gegen die Brandung haben sie ihre Haltung verloren, mehr noch, ihren Halt. 

Ankommen auf der Insel verspricht Rettung. Wer festen Boden unter seinen Füßen hat, kann gehen. Mehr noch: Auf-Recht gehen. Aufrichtig sein. Und manchmal ist das Verweilen auf einer Insel genau das, was den Blick weitet für den späteren unwegsamen Weg an Land.

Wenn der Sturm sich gelegt und die Stimmen verstummt, setz’ die Segel neu. Den Kompass vor Augen, das Ziel im Visier.

Vielleicht morgen schon?

Dazwischen sein

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Dazwischen sein …

zwischen der vertrauten Heimat seit Kindertagen und der Wahlheimat. Wahlheimat  wenigstens für eine Weile. Dicht nebeneinander, Jahrzehnte alte Gemäuer, immer schon.

Ich schaue hinüber. Still steht es da, mein Zuhause, schweigt, verwaist. Das Leben ausgezogen. Die Menschen gegangen. Nur in den Mauern noch Stimmen gefangen. Eingesperrt hinter zugezogenen Gardinen und verriegelten Türen. Worte irren zwischen den Wänden. Worte wie Schwerter. Kälte kriecht mir beim Anblick den Rücken hinauf, dringt bis in die Knochen.

Der Herbstwind rüttelt an den Ziegeln. Erzählt von vergangenen Zeiten, als die Fenster erleuchtet und die Feste gefeiert. Kindheitserinnerungen, von denen ich zehre, wartend auf Wiederkehr.

So wie mein kleines Haus mit den grünen Fensterläden und dem verwunschenen Garten geduldig ausharrt. Im hohen Gras flügelt der letzte Schmetterling. 

Zeiten wandeln sich. Irgendwann werde ich hinüberblicken und plötzlich werden die Fenster geöffnet sein, lichte hohe Räume. Und ein  Wunsch wird in Erfüllung gehen:

Mein Klavier wird vergessene Melodien hinaustragen.  Bis in den nahen Tannenwald.  Und unbeirrbar Frieden verkünden!