Inferno

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Ich liebe die stille Stunde vor Sonnenaufgang, Wenn der Tau noch auf den Blättern liegt. Septembrisch sanft, in dieser Zeit zwischen Hochsommer und Herbst.

Doch die Stille der frühen Morgenstunde wird zerrissen vom Kreischen mehrerer Motoren. Am Fuß der braunen Fichten-Riesen jagen Baumfäller ihre Beile in die Stämme. Kurz darauf kreischen Sägen, fräsen sich minutenschnell durch das Jahrzehnte alte Holz, bis der Baum wankt und zu Boden stürzt. Manchmal zwei auf einmal oder im Abstand von Minuten gehen die Riesen zu Boden. Es hallt vom Berg zu mir herüber. Das Zerbersten, das Reißen  des Holzes und kurz darauf ein Stöhnen, ein Donnern der schweren Stämme auf den Waldboden. 

Allabendlich arbeiten sich Bagger durch das am Boden liegende Holz. Ein trauriger Anblick: Statt der hohen Fichten kahler Waldboden mit Mengen von Totholz und dürren Zweigen. Die Maschinen zermalmen die Stämme mit riesigen Krallen als seien die Bäume Streichhölzer. Der einst von Nadeln und Moos bedeckte Boden weilt verletzt und aufgewühlt von den riesigen Reifen der Maschinen, die die schweren Stämme zusammenziehen und aufstapeln. Keine Stille mehr im Wald. Kein Wild. Sondern heulende Motorengeräusche von Sägen und Baggern.

Ein Friedhof der Natur. Nicht leise und friedlich, sondern lärmend brachial. Wald  und Waldboden liegen von den Krallen der Maschinen zermalmt. Zerstörung wütet wie ein wildes Tier. 

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