Verlorener Frühling

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Schnee fällt in diesen späten  Märztagen. Der Winter will nicht weichen. Hält den Frühling fern, jenen mit seiner leisen Wärme, dem Anschwellen der Flüsse und Bäche, dem ersten zarten Grün. Möge er sich heranschleichen der Lenz, auf leisen Sohlen. Jeden Tag ein bisschen mehr. Wie wunderbar wäre das. Noch lauert der Frost in den Nächten, noch liegt der Garten bienenleis.

Und plötzlich das Wunder. Die Wende. Von einem Tag auf den anderen bricht der Sommer herein. Öffnet seine Schleusen. Ohne Vorwarnung. Die Natur wirft üppiges Grün hinaus. Die Wiesen erstrahlen voll gelber Sonnen, die Bienen schwärmen hinaus. Blütenselig. Selbst der alte knorrige Apfelbaum blüht auf und die Kirsche leuchtet weiß bis in die tiefe Nacht. Wo ist der Frühling geblieben? Das zart blaue Band hüllt sich in Schweigen. Stattdessen lodert die Natur in feurig blühendem Brand. Dieser April offenbart was sonst der Sommer uns auftischt. 

Wo ist der Übergang? Das Vorsichtige, Langsame, das Herantasten an die schönste Jahreszeit Sommer. Es ist, als ob das Leise verschwindet. Das Licht, das von Sommer kündet, bleibt verhüllt. Der Winter wandte sich ab. Abrupt. Öffnete dem Sommer das große Tor. Weit.

Und wir stehen und staunen vor diesem Meer aus Blüten, diesem tiefen satten Blau, dem überbordenden Grün. Jubel. Freude. Leichtigkeit. 

Geblendet angesichts der Fülle weißt du: Der Sommer kennt das Harmlose nicht. 

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