Anno 2013

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Es steht im Sturm. Das alte Gemäuer, seit fast 100 Jahren. In manchen Nächten, wenn der Wind von Westen kommt, stöhnt es wie ein Schiff, das auf hoher See von gefräßigen Wellen hin und her geworfen wird. Heulend reißen die Böen an klapprigen Fenstern und zeternden Ziegeln.

Ein Schiff ohne Kapitän, das hörbar stöhnt, doch niemals sinkt. Hörst du das Flüstern von glanzvollen Festen und Feiern? Hörst du das Raunen von Streit und Versöhnung? Märchen aus tausenden Nächten der vier Generationen, Geschichten, die der Wind um die Mauern bis in den verwilderten Garten trägt. Melodien tönen durch das Laub der alten Apfelbäume. Erzählen von Freuden und Leid, von der ewigen Sehnsucht nach Heimat und gelebtem Leben. Und der Geruch von Tabak und Honig erinnert an einen einzigartigen Menschen. 

Das bunte Leben von damals längst verstummt, am Himmel ein ernstes Blau. Das Lachen verklungen. Die Türen verriegelt, die Fenster mit schwerem Samt verdunkelt. Feuchtigkeit perlt vom dünnen Glas der Scheiben wie verfließende Zeit. Ein Haus, dem der Atem stockt.

Hier konnte man nicht gedeihen, nicht blühen,

nur BLEIBEN.

Den Staub der vergangenen Jahre hinwegfegen und bleiben.

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